Strafe als Erziehungsmethode

Warum es funktioniert und dennoch nicht hilfreich ist, um Beziehungsfreude aufzubauen…

Im vorherigen Blogbeitrag hast du von Erziehungszielen gelesen. Wenn du weißt, was deine Ziele sind, befasst du dich wahrscheinlich näher mit dem Weg zum Ziel.

Ich möchte die gängigen Erziehungsstile hier nicht näher aufführen, sondern lieber ganz konkret über das Thema Konsequenzen & Strafen in der Erziehung schreiben.

Beginnen wir mit dem Strafen. Strafen kommen in den besten Familien vor. Sie sind ein lästiges Übel, was eigentlich gar nicht notwendig ist. Am Ende des Blogbeitrages wird dir klar, was ich damit meine.

Strafen sind meist das Resultat von Hilflosigkeit. Wenn wir uns nicht weiter zu helfen wissen, ist es einfach etwas zu verbieten oder anzudrohen. Das Kind zieht sich die Schuhe nicht an, nachher gibt’s kein Eis. Das Kind bummelt beim Zähneputzen, dann fällt eben die Gute-Nacht-Geschichte aus. Das Kind macht die Hausaufgaben nicht, also soll es gefälligst Fleißaufgaben hintendran hängen. Das Kind isst nicht auf, also gibt es natürlich keinen Nachtisch… usw. Das sind kleine Alltäglichkeiten und mit Sicherheit fällt dir auf Anhieb noch mehr ein.

Strafen passieren aus Hilflosigkeit, aus Bequemlichkeit, aus Gewohnheit.

Strafen helfen nicht. Ok, vielleicht kurzfristig. Gerade bei kleinen Kindern, wo das kurzfristige Ziel (doch ein Eis zu bekommen) im Vordergrund steht, stehen die Chancen gut. Aber je älter das Kind wird, desto geringer die Chance, dass es sein Verhalten wegen einem Eis ändern wird. Meistens kann man dann Sätze vernehmen wie „mir doch egal“ oder auch „ich will auch gar kein Eis“… manchmal wird es auch persönlich „du bist blöd“ oder auch „ich hasse dich“, „nie bekomme ich, was du mir versprochen hast…“ usw.

Strafen funktionieren, solange du am längeren Hebel sitzt. Strafen sind autoritär. Strafen sind von oben herab. Strafen sind willkürlich.

Wenn es um Strafen geht, braucht es jemanden, der Macht ausübt. Es braucht jemanden, der verletzen will. Denn Strafen verletzen. Es tut weh, etwas nicht zu bekommen, nur weil jemand da ist, der das mit Absicht (bewusst) verhindert.

Als Beispiel bleibe ich einfach noch beim Eis. Dein Kind zieht sich also die Schuhe nicht an und du verbietest das spätere Eis. Das ist eine angekündigte Strafe. Vermutlich zieht sich dein Kind dann doch irgendwann die Schuhe an, ihr geht los und entweder bist du konsequent und gehst am Eisladen vorbei (ist nicht verkehrt, immerhin bist du dann entsprechend verlässlich für dein Kind, was wiederum Sicherheit gibt) und dir vermutlich den nächsten Stress einbringt…

… oder aber du knickst ein (weil du zum Beispiel selber ein Eis möchtest, oder du Mitleid hast) und kaufst doch ein Eis.

Strafen sind eigentlich nichts anderes als Erpressung. Und wenn du jetzt darüber nachdenkst, ob du einen korrupten, erpressbaren Erwachsenen heranziehen willst, wirst du bestimmt mit NEIN – Niemals antworten. Strafen sind Manipulationen. Wenn du nicht machst, was ich sage, dann passiert… Strafen führen zum Lügen. Aus Angst vor Strafen, werden Dinge verheimlicht oder geleugnet… Das führt zu mehr Strafen, zu mehr Lügen usw.

Ein Kreislauf. Ein Beziehungskiller.

Es kann keine gesunde Beziehung sein, wenn Angst, Lügen und Strafen davon bestimmt werden. Strafen fallen mit der Zeit immer fieser aus. Denn die Strafe zuvor hat den Erfolg nicht gebracht, also muss die Einschränkung größer sein, der Schmerz muss größer werden, damit das Kind endlich daraus lernt. Ein nicht endendes Dilemma.

Konsequenzen?

Ganz neutral betrachtet, sind Konsequenzen eine Folge, eine Reaktion auf ein Geschehen.
Das Glas kippt um und der Tisch ist nass.
Dein Kind zieht sich die Schuhe nicht an, der Eisladen hat geschlossen.
Dein Kind bummelt beim Zähneputzen, die Geschichte fängt später an.
Dein Kind macht seine Hausaufgaben nicht und bekommt eine Rüge(hoffentlich respektvoll und mit Erklärung, warum die Hausaufgaben aufgegeben werden) vom Lehrer.
Dein Kind isst nicht auf, weil es Platz gelassen hat für den Nachtisch.

Konsequenzen brauchen eigentlich kein Zutun von Eltern. Konsequenzen passieren von allein. Natürlich gibt es Situationen, in denen die logische & natürliche Konsequenz verhindert werden muss! Rote Ampeln, heiße Herdplatten usw. also Dinge, die Gefahr bedeuten! Gefahr für Leib und Leben. Dennoch brauchst du keine Strafen sondern Erklärungen. Wenn dein Kind bei Rot über die Ampel will, hältst du es fest und erklärst, warum das nicht geht! Du brauchst keine Drohungen auszusprechen, was du tun wirst, wenn es das noch einmal macht.

Wenn du an einem geschlossenen Eisladen ankommst, braucht es auch keinen verletzenden Kommentar á la „selber Schuld“ oder „siehst du, hab ich dir doch gleich gesagt…“

Kindern Schuld zuweisen verletzt sie ebenso sehr, wie eine Strafe. Sie können selbst erkennen, dass der Eisladen geschlossen hat. Sie brauchen vielleicht sogar Trost, weil sie sich über sich selbst ärgern. Vielleicht ärgert ihr euch auch gemeinsam… Aber was hilft eine Strafe dabei?

Strafen und Konsequenzen sind also zwei verschiedenen Dinge. Die Strafe ist willkürlich und Menschen-gemacht. Die Konsequenz ist eine logische Folge und tritt ganz ohne menschliches Zutun ein. Konsequenzen sind endlich. Es folgen nicht immer schwerere Konsequenzen. Eine Aktion = eine Reaktion. Fährst du dein Auto gegen deinen Gartenzaun, dann ist die Konsequenz einfach nur, dass Auto und Gartenzaun kaputt sind. Das Schicksal kommt nicht daher und gibt dir deswegen 3 Wochen Hausarrest 😉.

Wie nun ohne Strafen?

Im besten Falle lernt dein Kind von dir, indem du das Vorlebst, was dir wichtig ist (Werte!). Sicherlich gibt es bei euch Regeln und Grenzen, diese einzuhalten ist mal leichter und manchmal auch schwerer – es braucht Vorbilder und logische Erklärungen für Regeln. Wenn Kinder verstehen, warum eine Regel gilt, also warum sie wichtig ist, einzuhalten, dann ist es eher bereit diese auch einzuhalten. Wenn du mit “weil ich das so sage” oder “das macht man eben so” versuchst Regeln zu erklären, ist die Gefahr ziemlich hoch, dass die Regeln nicht eingehalten werden. Kinder wollen verstehen, warum es bestimmte Regeln gibt. Manchmal weißt du vielleicht auch nicht genau, warum du bestimmte Regeln aufstellst – dann versuche den dahinter stehenden Wert ausfindig zu machen. Was ist dir wichtig? Geht es um Gesundheit (zum Beispiel: Zähneputzen) oder geht es dir um Freundschaft (zum Beispiel: sich entschuldigen, wenn jemand verletzt wurde) oder geht es um Erholung (zum Beispiel: am Mittag ruhiger spielen).

Es gilt übrigens: Weniger Regeln, die dafür aber plausibel und nachvollziehbar sind, bringen ein entspanntes Miteinander. Je mehr Regeln es gibt, desto mehr muss auf deren Einhaltung geachtet werden, desto anstrengender und schwieriger wird das Miteinander

Kinder lernen am besten durch eine gesunde Beziehung und nicht durch Strafen und Drohungen.

Vielleicht erziehst du schon ganz ohne Strafen? Dann prima, weiter so!

Vielleicht rutscht dir hier und da eine Erpressung oder Drohung oder eben auch eine Strafe raus?

Kein Problem. Du kannst deinem Kind jederzeit erklären, dass du dir in dem Moment nicht anders zu helfen wusstest und aus Wut oder Ärger so reagiert hast. Kinder nehmen gerne auch eine Entschuldigung entgegen (VORLEBEN!) und erleben zu gerne, dass auch Erwachsenen mal Fehler machen und auch deren Verhalten nicht immer optimal ist. Sie lernen dadurch, dass es möglich ist, sein Verhalten zu ändern und es beim nächsten Mal vielleicht schon besser klappt.

Pro-Tipp:
Wenn du mal nicht weiterweißt, wenn es um ein Verhalten deines Kindes geht, was dich so richtig ärgert – Frag dein Kind, was es an deiner Stelle tun würde!

Nun viel Freude beim Beobachten und Ausprobieren. Wenn du Fragen oder Erfahrungen mit mir teilen möchtest, hinterlasse gerne einen Kommentar!

Julia

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