Beziehungsfreude durch Tragen

Dass das Tragen von Babys die Bindung und entsprechend die Beziehung zu den Bezugspersonen stärkt, ist mittlerweile fast überall bekannt. Warum das so ist, erläutere ich dir im heutigen Beitrag.

Warum sind Babys eigentlich Traglinge?

Babys sind physiologische Frühgeburten, das heißt, dass Babys eigentlich noch ca. 3 Monate länger im Bauch bleiben sollten. Wäre dies der Fall, wäre eine Geburt jedoch nicht mehr möglich, da das Baby dann nicht mehr durchs Becken passt. Demzufolge kommen Babys also zu früh auf die Welt, obwohl sie die wohlige Wärme und die Geborgenheit im Bauch noch bräuchten.

Das unzufriedene Baby

Ist ein Baby unzufrieden, müde, hungrig oder hat gerade etwas Bauchdrücken, so beruhigt es sich meistens, sobald es auf den Arm genommen wird. Manche Babys wollen sich auch gar nicht ablegen lassen. Die Augen gehen sofort auf, sobald der Körperkontakt zur Bezugsperson abbricht.

Da Babys aber schon von Anfang an sehr unterschiedlich sind, reagieren alle Babys auf Kontaktabbruch ebenfalls sehr unterschiedlich.
Egal also, wie dein Baby darauf reagiert, ob mit Weinen oder ob es friedlich im Stubenwagen liegt – beides ist möglich und nichts davon irgendwie verkehrt.

Hast du nun ein Exemplar, welches sich gar nicht trennen möchte, dann kann es passieren, dass du das Gefühl hast, rein gar nichts mehr zu schaffen. Einkaufen – geht nicht. Die Wohnung putzen -geht nicht. Duschen gehen – geht nicht. Selber etwas zu Essen kochen – geht nicht. Usw.

Was passiert, wenn das Baby dich die ganze Zeit braucht?

Ja, Babys weinen (hätte mir das mal jemand vor meinem ersten Baby gesagt!), weil sie vielleicht Hunger haben oder müde sind und nicht in den Schlaf finden – hier hätte mir übrigens die Dunstan-Babysprache viel Leid beim ersten Baby erspart.

Dein Baby weint also, sobald du es ablegst? Du kommst nicht dazu, etwas zu essen und überhaupt, hast du das Gefühl, dass du irgendwie keine Minute für dich hast?

Dein Baby braucht dich, das ist klar! Aber eine erschöpfte Mama / Papa hat irgendwann alle Reserven aufgebraucht. Vielleicht wirst du selber unzufrieden, manchmal vielleicht wütend oder hilflos über das Geschrei deines Babys. Wie förderlich ist das wohl für deine Beziehung zum Baby?

Eltern verkraften viel und spätestens wenn das Baby irgendwann wieder ruhig schlummert oder entspannt stillt oder ganz genüsslich seine Flasche nuckelt, wird es wieder besser. Die Kraft kommt langsam zurück und irgendwann braucht das Baby auch nicht mehr ganz so viel Körperkontakt.

Bedürfnisse in Einklang bringen

Aber bis dahin, lohnt es sich, eure Bedürfnisse in Einklang zu bringen. Das Bedürfnis des Babys nach Körperkontakt und dein Bedürfnis nach ein bisschen Freiheit im Sinne von „ich kann einkaufen, ich kann mir etwas zu Essen kochen und ich kann sogar ein bisschen was im Haushalt erledigen“.

Vielleicht habt ihr auch Geschwisterkinder, die eine mobile Mama / einen mobilen Papa auf dem Spielplatz brauchen. Eventuell habt ihr einen Hund, der sich nur schwer mit dem Kinderwagen vereinbaren lässt? Eine Trage / ein Tragetuch lohnt sich!

Erfreulicherweise gibt es heute so viele Möglichkeiten ein Baby zu tragen, ohne dass die Arme lang und schwer werden. Obwohl ich heute noch Eltern sehe, die mühselig den Kinderwagen schieben, während sie ihr Kind auf dem Arm tragen…

Wie und womit Tragen?

Viele Menschen nehmen ein Baby einfach gerne auf den Arm. Das ist die schnellste und unkomplizierteste Variante. Wenn wir jetzt aber darüber nachdenken, wie man mit einem Baby auf dem Arm kochen kann… Genau solche Dinge sollen ja im Idealfall mit Baby und ohne große Einschränkung funktionieren.

Also her mit der Trage / dem Tragetuch!

Das Baby wird ins Tuch / in die Trage gebunden und ist einfach an dir dran, während du die Hände frei hast.
Der Tragemarkt gibt mittlerweile so viel her, dass es schwer sein kann, das richtige zu finden. Dafür gibt es jede Menge Trageberater*innen – sicher auch in deiner Nähe!
Bei einer Trageberatung kannst du dich durch Tragen und Tücher durchtesten. Mit der Beraterin / dem Berater findest du die passende Trage für dich und dein Baby. Im Idealfall kannst du die Favoriten-Trage auch einige Zeit im Alltag testen – denn nur so kannst du sicher gehen, dass die Trage für dich praktikabel und Alltagstauglich ist, sowie ob sie für dich auch für längere Tragezeiten bequem ist.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, eine ergonomische Trage zu wählen. Achte also auf die Spreiz-Anhock-Haltung, einen leicht gerundeten Rücken und einen gute Kopfstütze.

Manchmal passiert es, dass man die Trage vielleicht zu locker sitzen hat, dass die Oberschenkel des Babys nicht bis zur Kniekehle gestützt sind, oder dein Baby leicht zur Seite rutscht. Mach dir bitte keine Gedanken, wenn mal was nicht so optimal sitzt, geht nicht gleich was kaputt. Gerade am Anfang braucht es ein bisschen Übung, aber nach ein paar Mal, hast auch du den Dreh raus und brauchst nicht mehr ewig um dein Baby optimal in die Trage / das Tuch zu binden. Gib dir einfach ein bisschen Zeit und übe einfach. Dein Baby freut sich bestimmt über jede Minute, die es so nah bei dir sein kann.

Mein Baby will aber gar nicht getragen werden

Ja, auch das kommt vor. Manchmal haben Babys ein paar Blockaden (schwangerschaftsbedingt oder geburtsbedingt), sodass sie sich in der Trage nicht wohl fühlen. Das klärst du am besten mit deinem Kinderarzt / Orthopäden / Osteopathen ab.
Es kommt auch vor, dass Babys die Enge einfach nicht mögen und sich lieber im Kinderwagen ausstrecken.
Und aus Erfahrung kann ich berichten, dass es auch Babys gibt, die in der Trage / im Tuch weinen, weil der Tragende / die Tragende sich selbst unwohl fühlt, das Baby so nah bei sich zu haben. Und ganz ehrlich, niemand muss sein Baby tragen. Es ist nur dann beziehungsförderlich, wenn sich alle Beteiligten damit wohl fühlen.

Fazit:

Tragen fördert die Beziehung zu deinem Baby! Es fühlt sich sicher und geborgen und ist dementsprechend entspannter. Daraus resultiert, dass auch du entspannter sein kannst, weil du gut für dich sorgen kannst, während du deinem Baby die Nähe gibst, die es braucht. Eure Bedürfnisse finden beide Beachtung und das ist eine gute Voraussetzung für Beziehungsfreude!
Wenn du nicht tragen möchtest oder kannst, ist es deswegen nicht automatisch hinderlich. Höre auf deine Bedürfnisse und versuche die körperliche Nähe auf andere – für dich passendere Weise- zu geben.

Ich wünsche euch allen ganz viele schöne Tragemomente!

Julia

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